9.4.2019

Presseaussendung der
Initiative Stop Transit - Osttirol
(vormals Arge Stop Transit - Bereich Osttirol)
zum Bericht in ORF-Kärnten vom 9.4.2019:
Studie zu Ausbau der Plöckenpassstraße

Verkehrsstudie Plöckenpass

Quelle: Land Kärnten
Kötschach-Mauthen - Timau

Variante 1
Wintersicherer Ausbau
34,5 Millionen €

Variante 2
3,5 km Scheiteltunnel
117 Millionen €

Variante 3
7,8 km Basistunnel
261 Millionen €


Plöckentunnel-Ambitionen 2014

Wikipedia 2011

25 Jahre Verein zum Schutz der Erholungslandschaft Osttirol:
Gegen Plöckentunnel S.7

Plöckentunnel-Aller Laster Anfang

Studie zum Ausbau der Plöckenpassstraße

Die im ORF-Kärnten-Bericht zitierte Aussage von ÖVP-Straßenbaulandesrat Martin Gruber angesichts der Präsentation der neuen Plöcken-Machbarkeitsstudie, dass ein Plöcken-Scheiteltunnel neben einem Ausbau der bestehenden Passstraße nach wie vor Thema sei, zeigt, dass er sich offenbar mit den zu erwartenden negativen Aus- und Folgewirkungen einer Tunnelvariante nicht genug auseinandergesetzt hat.

Schon einer seiner Vorgänger im Amt, nämlich Gerhard Dörfler, hat bereits 2005 und 2010 im Kärntner Landtag eindringlich vor der großen Transitgefahr auch durch einen Scheiteltunnel gewarnt (siehe unten stehendes Zitat). Durch einen solchen Tunnel würden ebenfalls wie bei der Basistunnelvariante alle transithemmenden Spitzkehren auf der österreichischen und italienischen Seite des Plöckenpasses ausgeschaltet. Die Seehöhe läge bei ca. 1000 Meter (zum Vergleich der Brennerpass auf über 1300 Meter Höhe). Weiß Landesrat Gruber nicht, dass sich die italienische Straßenbauverwaltung ANAS aufgrund einer Neubewertung 2018 bereits für einen sogenannten "Sicherheitsausbau" der Plöckenpassstraße (SS 52 bis) um ca. 63 Millionen Euro entschieden hat, wovon der Großteil auf die großräumige Umfahrung von Tolmezzo entfallen soll (siehe Studio-Nord-Bericht https://www.studionord.news/incontro-tolmezzo-sulla-riqualificazione-complessiva-della-ss-52bis-carnica/ )?

Oder will Landesrat Gruber trotz Kenntnis dieser ANAS-Entscheidung diese wieder in eine Entscheidung pro Scheiteltunnel umkehren und damit im Sinne einer "Hinter mir die Sintflut"-Politik in Kauf nehmen, dass das Obere Gail- und Drautal sowie Osttirol, der Obere Pinzgau und das östliche Nordtirol in eine Transithölle übelsten Zuschnitts verwandelt wird? Dass zu dem von Gruber zitierten Kärntner Kosten-Anteil von 84 Millionen Euro durch die Verkehrslawine noch immense Folgekosten für Straßenausbauten in Kärnten, Osttirol, Pinzgau und Nordtirol (z.B. Umfahrung Kötschach-Mauthen, Gailbergpass-Ausbau oder sogar -Tunnel, Großumfahrung von Lienz etc.) dazu kämen, spielt in der Kalkulation von Landesrat Gruber - im Gegensatz zum Vorgänger Gerhard Dörfler - anscheinend bisher keine Rolle.

Dem Landesrat scheint auch noch nicht bewusst zu sein, welche Auswirkungen die neue Seidenstraße Chinas (kurz OBOR) auf dem Seeweg für Kärnten mit sich bringt. Der Ausbau des Suezkanals ermöglicht jetzt auch den größten Containerschiffen mit derzeit bis zu 20.000 (!) Containern Ladekapazität die Passage in Richtung der von den Chinesen bevorzugten Häfen Triest und Genua. Die nordadriatischen NAPA-Häfen, darunter vor allem Triest, wollen Seetransporte aus Asien, die bisher erst in Rotterdam, Hamburg und Bremen entladen wurden, an sich ziehen und die Container auf dem Landweg nach Mittel- Nord- und Nordosteuropa weiter transportieren.

Dass diese riesigen Mengen an Containern nicht allein über die Eisenbahn weiter transportiert werden können, müsste auch dem Unbedarftesten klar sein, und damit auch, dass sich riesige LKW-Kolonnen über die Kärntner Straßen ergießen würden, natürlich auch über eine mittels Scheiteltunnel transitgerecht ausgebaute Plöckenroute in Richtung Deutschland und darüber hinaus. Spielen die damit sicher einhergehenden massiven Gefahren für Gesundheit der Bevölkerung durch Tag- und Nacht dröhnenden LKW-Transitlärm, Abgase, Feinstaub etc. sowie für die Umwelt in dieser Kalkulation keine Rolle oder hat man bisher noch keine Zeit gefunden, sich damit auseinanderzusetzen? Ist die Alpenkonvention, die im Verkehrsprotokoll die Alpenbewohner und die Umwelt vor den negativen Auswirkungen des Transitverkehrs schützen sollte, für Landesrat Gruber ein Thema?

In Beantwortung von Anfragen im Kärntner Landtag bestätigt der ehemalige Straßenbaureferent und Landeshauptmann von Kärnten, Gerhard Dörfler (z.B. Landtag 2010) die Transitgefahr:

„…Ich bin nicht bereit, diese „Alemagna light“ zu diskutieren, denn was würde ein Plöckentunnel bedeuten? Auch wenn es ein Scheiteltunnel wäre, Italien würde diesen Tunnel nur in Überlegung ziehen, wenn er dazu dient, den LKW-Verkehr über Tolmezzo/Plöckentunnel in das Drautal zu führen, weil ich damit ja Richtung Tauernautobahn einerseits und Richtung Lienz bzw. Pustertal und damit Brennerautobahn andererseits natürlich eine wesentliche Abkürzung für LKW-Verkehre hätte. …
Da sieht man schon, dass der Plöckentunnel, egal ob Scheitel- oder Basistunnel, eine Transitachse wäre …. Dann wird man relativ rasch einen weiteren Tunnel in Richtung Drautal fordern und dann wird man rasch fordern, dass man das Pustertal zur Brennerautobahn leistungsfähig ausbaut“.

Jede Plöcken-Tunnelvariante, egal ob Basis- oder Scheiteltunnel, darf und kann kein Thema sein!!!

Triest-Plöcken-München Plöckentunnel - Kufstein

Kufstein

Plöckentunnel - Lienz - Kufstein